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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 110

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 110 (sequence 116)
Language
German
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IRI
…/3135693-3135702--1540-3137267
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110 selbst, ist nur ein winziger Bruchteil von Cohens Leistungen. Diese zu würdigen, bleibt der Literatur-, Kultur- und Philosophiegeschichte Vorbehalten. Nicht versagen konnten wir uns aber, einem Volksbuche, wTie dem vorliegenden, das der Belehrung dienen, jüdische Lebensanschauung, Moral und Sitte und Aufklärung verbreiten soll, einige Gedanken ^wenigstens anzuvertrauen, die der grosse Gelehrte über Religion und über Judentum gedacht hat. Wenn wir auf den Titel des Cohenschen Buches blicken, vermuten wir nichts besonderes dahinter: „Die Religion der Vernunft.“ Diesen Ausdruck kennen wir. Er bereitet auch keinerlei Schwierigkeit. Eine Religion der Vernunft ist eben eine vernünftige Religion. Diese steht im Gegensätze zu einer übervernünftigen, allenfalls auch zu einer unvernünftigen Religion. Die Religion der Vernunft also ist eine Vernunftreligion. Und wir erinnern uns, in der allgemeinen Geschichte, in der Literatur- und Kulturgeschichte diesem Namen häufig begegnet zu sein. Das achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert ist voll von dieser Bezeichnung. Sie taucht immer wieder auf, so oft von Religion die Rede ist. Um was wird es sich also in diesem Buche handeln? Um eine neue, vielleicht verbesserte Auflage der alten Vernunftreligion, wie sie Lessing, Herder in geistreichen Abhandlungen, Goethe in seinen „Gesprächen mit Eckermann“, die deutschen Aufklärungsphilosophen und die englischen Deisten in philosophischen Systemen gelehrt haben? Und wenn hier die Quellen des Judentums für diese Vernunftreligion nutzbar gemacht werden, so ist auch dieses nicht neu. Der philosophische Freund Lessings, Moses Mendelssohn, hat das erschöpfend getan. Er stand ja mitten drin im Aufklärungswirbel und da nimmt er nicht etwa die Stellung eines Zuschauers oder Statisten ein, sondern die des Akteurs, der seine Rolle nicht einmal übel spielt.

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