Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
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105 hört man schon genau, wie sie sich rasch nähern. Wie ein kleiner Silhouettenfries taucht es hinetr einem Hügel auf. Eine Linie schwarz bewegter Umrisse von Pferden und Reitern, die sich scharf wie ein Schattenspiel aus der dämmerfahlen Nacht herausschneiden. Die Leute auf dem Hügel entfährt ein unterdrückter Freudenschrei. Doch da sind schon die Reiter. Die erhitzten Pferde wiehern und werfen die Köpfe zurück. Junge Leute in arabischen Mänteln, die Flinte über der Schulter, sitzen ab. Sie werden sogleich von den Wartenden umringt: — Schalom, Schalom, gesiegt im Kampf. Kommt alles heil zurück. — Der junge Matwejew fiel. Ein Held. Er hielt sich tapfer wie ein Löwe die ganze Zeit. Still weint es auf durch die Nacht. Das Schluchzen einer Frau. Es war Sarah. Matwejew begrub seinen letzten Sohn in Palästinas heiliger Erde. Man legte ihn nicht neben seine Brüder auf den Friedhof. An der Stelle, wo ihn die Kugel im Kampfe getroffen hatte, auf einem einsamen Wege unter einer Zypresse bettete man den Gefallenen zur ewigen Ruhe. Die Erde des Landes Israel, für welche er sein Blut vergossen, nahm ihn wie eine Mutter in ihren Schoss auf. Den Fremden. Dies Grab, mitten in den Feldern, unter der Zypresse, sollte ein heiliges Wahrzeichen sein den Kameraden, die hier vorüber zur Arbeit ziehn, wie dem Wanderer später Zeiten noch, der sein Weg da vorbeiführen würde. Auf dass er stille stehe und stumm das Haupt beuge und harre in Trauer, wo einer von denen liegt, die mit ihrem Blut den Weg zur Auferstehung gezeichnet haben. Mit noch tieferem Gram als bei den andern beiden Söhnen stand Matwejew jetzt an dem frischen Grabe,