Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Augen lag ein Hauch stolzer Mädchenträume. Die Arme waren hochgemut über die wogende Brust gekreuzt. Die beiden versprengten Kinder der Wolga standen da und warteten; sie waren die letzten, die wieder ins Haus traten. Die jüdische Habe wurde verteidigt. Nach einem langen Kampfe wurden die Araber vertrieben. Spät in der bleichen palästinensischen Nacht stand ein Menschenhaufen auf dem äussersten Hügel der Kolonie. Es war kühl. Stille Himmel, wie tiefblaue, über geheimnisvolle Länder ausgespannte Baldachine. Ein grosser Mond, der in sie sein blasses Silberlicht ergiesst. Die fernen Felder, Wälder und Hügel zeichnen sich kalt und stumm ab. Es ist als ob die ganze Natur den Atem anhielte und schwieg in einen bleichen, toten Tag hinein. Irgendwo, weit irgendwo heult von Zeit zu Zeit ein Schakal auf. Die Leute stehen eng beieinander, sprechen halblaut oder nur flüsternd. Dann und wann trennen sich einzelne und treten etwas weiter auf den Hügel vor. Man sieht sie nicht — lassen sich gedämpfte Stimmen vernehmen. — Es sind doch aber Nachrichten gekommen — erwiderte jemand. Plötzlich durchzuckts alle: — Sst! Hört ihr nicht Pferdegetrappel? . . . Aus der fahlen Nacht, irgendwo von den tauig umschleierten, traumversunkenen Feldern her, steigt kaum hörbar ein leichtes Traben. Alles verstummt auf einmal. Bleibt in versteinerter Erwartung auf einen Haufen zusammengedrängt. Allmählich schwimmt das Geräusch von vielen trabenden Pferden immer deutlicher aus den kühlen, im Mondlicht schimmernden Horizonten herauf. Jetzt