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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 100 (sequence 106)
Language
German
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IRI
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100 Diesmal konnte sich Matwejew nicht fassen und finden. Zwei Opfer? Ob wohl ein Übergetretener schon so viel geben muss? Matwejew kam gänzlich zusammengebrochen vom Friedhof heim, zog zitternd die Schuhe von den Füssen und sass nieder zur Schiwah. Willenlos, eine stumme Trauer im Herzen, sass der alte russische Bauer mit langem Haar und Bart, im übergeschürzten Bauernhemd unter den Leidtragenden da. Und seine Seele war unruhig. Er war niedergeschlagen und verzweifelt. Eine grausame, unbekannte Macht steht ihm gegenüber, eine grausame, unbekannte Erde, ein grausamer, unbekannter Gott. Der Bauer erschrack jetzt auf einmal vor dem Gott, dessen Glauben er angenommen. Nach den dreissig Tagen der Trauer nahm Matwejew seinen letzten Sohn und die Schwiegertochter, packte einen Wagen und zog nach einer südlichen Kolonie, nach R. Hier mieteten sie ein Haus zum Wohnen. Ihr Gut blieb im übrigen am Merom-See. Jeden Tag konnte man schon im ersten Morgengrauen drei Reiter, zwei Männer und eine Frau, auf arabischen Schimmeln dahinstieben sehn über die breite, weisse Dorfstrasse zwischen schlanken, goldenen Mimosen, den lichten, jungfräulichen Wächtern des Weges. Das waren sie, die zur Arbeit auf ihre Felder ritten, während alles noch schlief. Am Abend waren sie die letzten zur Ruh. Wie weh tut es dem Bauern, wenn er nicht zusammen sein kann mit seinen Saaten, mit dem, was aus seiner Hände Schweiss gedeiht, wie liebt er die Erde, die er beackert, und wie gern möchte er auf ihr wohnen. Aber der Landmann beugt sich dem Schicksal. Er kennt Hagel und Heuschrecke, Trockenheit und Unkraut.

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