Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 105)
- Language
- German
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99 in seinem Judentum erhöht wurde. Und Abraham war ja auch ein Ger, ein Fremder, wie er Ivlatwejew, von der fernen Wolga. Erzvater Abraham! Wie warm wird’s dem armen russischen Bauer bei diesem Namen! Er ist ihm der einzige Nahe von all den Juden, unter denen er lebt und in denen er seinem religiösen Standpunkt nach Brüder sehen muss. Brüder — wahrlich, er kann sich innerlich die Bruderschaft zu all diesen fremdartigen Juden, die er da sieht und trifft, nicht leicht vorstellen. Einer aber, der einzige, einer von schlichtester Einfalt des Herzens, Terachs Sohn, der ehemalige Heide von Urkasdim, er mutet ihn vertraut an, er ist ihm heimisch. Und Matwejew nahm seinen Sohn und scharrte ihn in die Erde ein, wie alle die andern vom gelben Tod Dahingerafften in der Kolonie eingescharrt worden waren. Es dauerte nicht lange. Das Getreide auf dem Felde schoss auf, wurde satt und schwer von Brot. Die Ähren wurden reif zur Mahd. Matwejew ging mit seinen Kindern und seiner Schwiegertochter tiefer ins Tal hinein, auf seine goldnen, schnittreifen Felder hin, um den ersten Segen, den Gott ihm im Lande Israel gegeben, abzuernten. Mit Freude, und im Herzen Gottes Preis, banden diese in die Fremde verschlagenen russischen Bauern die Garben unter den tiefen, sonnigen Himmeln. Es war ihnen, als sei das alles hier feierlicher, als die allsommerliche Ernte daheim, dort irgendwo weit hinter den grossen Meeren im Saratower Gouvernement an der Wolga. Als schon fast alles in die Scheuer eingebracht war und Matwejew und seine Familie nur noch die letzten Fuhren abluden, wurde der zweite Sohn krank. Eine kurze Zeit darauf war wieder einer von den jungen Bäumen gefällt.