Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 95 (sequence 99)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3135693-3135702--1523-3137250
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

95 auf nach dem Lande Abrahams, Isaaks und Jakobs. Die Trümmer von Zion, die Täler von Jesreel, von Sonne und Tau bedeckt, die Berge, die Jerusalem umringen, sie gingen in den Seelen der neuen Juden an der Wolga mit demselben stillen und heissen Verlangen auf, mit dem in seinen Hoffnungen das übrige Volk Israel ihrer denkt an den Orten seiner Zerstreuung, wo sein Rücken sich beugt unter dem schweren Kreuz von Leiden und Erlösung. Ist das ferne Land Kanaan ein heiliger Traum der Seele? Ist das ferne Land Kanaan ein tiefes Gefühl der Seele? Jene schlichte Bauern auf der russischen Erde sagten: Wir kennen nicht mehr die Heimat unserer Väter, das Land, das mit unserem Schweiss gesättigt ist. Wie eine Mutter hat es unsere Geschlechter genährt, will es auch unsern Kindern seine Säfte hingeben. Aber fremd sind uns die heimischen Felder mit den weissen Birkenwäldchen und den Kiefern, die auf ihnen rauschen. — Jene Bauern sagten: Wir verlassen euch, Gebeine unserer Väter, so wie wir euern Namen verlassen haben und euer Andenken aus unserm Herzen gerissen. Ein neues Land ruft uns. Das Land eines fremden Gottes, dessen Heiligkeit wir fühlen, dessen Märtyrer wir geworden. Wir kennen es nicht. Wir kennen das Brot nicht, das dort wächst, und die Sonne nicht, welche dort leuchtet. Und doch ist es unsere Hoffnung worden, das Land unserer Träume. Das Land Kanaan, irgendwo fern im Osten, rief seine neue Kinder, sie gehorchten und machten sich auf den Weg. Mit vielen andern Übergetretenen fuhr auch die Familie Matwejew nach Palästina. Mit fremden Sitten und fremder Sprache kamen sie ins Land. Auch ihre Tracht behielten sie bei. Unter den Himmeln des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.