Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Morgenlandes, im Schatten der orientalischen Flora, unter weiss und schwarz gewandeten Arabern und Beduinen gingen die russischen Bauern mit ihren Bärten und ihren übergeschürzten Bauernhemden einher, wie in ihrer Heimat, in den Dörfern an der Wolga. Matjewew kam mit drei Söhnen, hochgewachsenen, breitknochigen, russischen Prachtsgestalten, eben von den Pferden und hinter dem Pflug hervorkommend. Sie waren in ganz jugendlichem Alter zusammen mit ihrem Vater übergetreten und hatten noch Jahre mit ihm in den heimatlichen Feldern zugebracht. Der älteste hatte eine Frau, meine Bekannte Sarah. Sarah (oder mit ihrem früheren russischen Namen Katja) war ein Mädchen aus einem nahen Dorfe, eine reiche Bauerntochter. Ihre Eltern waren rechtgläubige Christen. Was sie dazu gesagt haben, dass ihr Kind ihren Glauben verliess und fortging zu dem „Jude gewordenen“ Matwejew, das konnte ich nicht recht in Erfahrung bringen. Offenbar ist es ihnen nicht leicht gewesen. Aber sie müssen für die widerspenstige Tochter eine grenzenlose Liebe gehegt haben, die sie die Beziehungen zu ihr nicht abbrechen liess. Sarah war nicht lange mit ihrem Manne in dem russischen Dorf. Sie melkte dort seine Kühe, wie früher die ihres Vaters, band Garben und fuhr volle Erntewagen in die Scheuer. Die Jüdin. Später aber, als die Regierungsverfolgungen begannen und die naiven Herzen der Bauern übervoll waren an Träumen von dem weiten, unbekannten Lande Israel, verliess auch Sarah die Nähe der Eltern und fuhr über die weiten Meere mit in das fremde Land. Nach den neuen Feldern brauchten sie nicht lange zu suchen. Matwejew, der seine Habe zu Hause verkauft hatte, besass genug, um in dem halböden Lande Kanaan