Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 98)
- Language
- German
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94 Mit noch andern russischen Familien — Bauern an der Wolga — war auch die Familie Matwejew nach Palästina gekommen. Wie eigentlich einzelne verirrte Samenkörner des so weit entfernten Judentums in dies Zentrum der russischen Masse hingelangten, bleibt ein Rätsel. Es genüge die Tatsache, dass in dem mächtig ausgebreiteten russischen Bauerntum — dem Volke der Gottsucher — auch der jüdische Funke aufflammte. Ganze Dörfer verliessen den Glauben ihrer Väter und tauschten ihren Wohlstand für das jüdische Leiden. Der verfolgte, verhasste Jude wurde ihr Heiligtum. Sie gaben ihr Blut um seinen Namen zu kaufen. Sie gaben sich ihm in der Stille hin, ganze Dörfer traten über. Im tiefen Russland, an der Wolga, standen unter den Russen selbst kleine, verlorene Gemeinden von jüdischen Märtyrern auf. Die Regierung verfolgte sie mit grösster Grausamkeit. Hunderte starben in den Gefängnissen, Hunderte wurde zu Tode geprügelt. Wie die alten, heiligen Juden blieben sie dem jüdischen Gotte treu und heiligten seinen Namen, wie die alten, heiligen Juden im Mittelalter auf dem Scheiterhaufen. Und zusammen mit den jüdischen religiösen Träumen erwachte auch bei jenen Bauern an der Wolga die Sehnsucht nach dem Lande Israel. Seht das Wunder! An jenem russischen Strome, wo sie wohnen, in jenen Dörfern — weit und breit sind da die Felder gesegnet mit Weizen und Korn, die Äpfelbäume beladen von Früchten, die Euter der Kühe fliessen von Milch, die Schafe sind eingebettet in Wolle. Ihre Eltern und Ureltern haben jene Erde beackert, auf ihr gelebt, für sie gekämpft, und wurden in ihr zu Ruhe bestattet. Und nun — in den Herzen ihrer Kinder zitterte zugleich mit dem jüdischen Gotte die heilige Sehnsucht