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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 68 (sequence 70)
Language
German
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68 Dort steht der Rechtsfall von dem Knecht, der zwei Herren gehört und von einem derselben die Freiheit erhält, während der andere ihn weiter als Knecht behalten will. Nun ist er in einem unhaltbaren Zwischenzustande. Er ist weder ganz frei, noch völlig Knecht. Er kann weder ein jüdisches Mädchen heiraten, denn er ist noch Sklave, noch eine Sklavin, denn er ist teilweise frei. Ein solcher Zustand ist unhaltbar und der Talmud entscheidet: Man zwingt den zweiten Herrn, ihn ebenfalls frei zu lassen. Der Rabbi trug den Abschnitt aus dem Talmud laut und eindringlich vor. Dann wiederholte er mehrmals: „Ein solcher Zustand ist unhaltbar, man zwingt den Herrn, den Knecht frei zu lassen.“ Dann sprach der Rabbi zu dem Armen: „Gehe heim, das Gesetz gegen die Juden kann nicht bestehen und muss aufgehoben werden.“ Nach einigen Tagen wurde das Gesetz wirklich zurückgezogen. Noch heute verehren die Chassidim ihren Rabbi ausserordentlich, und viele Tausende kommen aus der Nähe und aus der Ferne, um mit ihm die Festtage zu verbringen. Aber sie kommen nicht, um Wunder zu erleben, sondern um sich an dem heiligen Lebenswandel ihres Rabbi zu erbauen und aufzurichten und von ihm zu lernen, wie man wahrhaft fromm dem Allmächtigen dienen soll. Diese übergrosse Verehrung, die der chassidische Rabbi geniesst, scheint uns westeuropäischen Juden seltsam und unbegreiflich. Auch dass der Chossid dem Rabbi seine Wünsche, die er in sein Gebet einschliessen soll, schriftlich überreicht und dafür den Gaboim, den Dienern des Rabbi, Geld spendet, erscheint uns nicht recht verständlich und wird von vielen als ein hässlicher Auswuchs des Chassidismus betrachtet. Immerhin ist zu bemerken, dass der Baal Schern das Geld, das ihm gegeben wurde, sofort an Arme verteilte und es nie über Nacht behielt, und dass er selbst, ebenso wie die ersten Führer des Chassidismus in Armut

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