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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 67

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 67 (sequence 69)
Language
German
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67 jüdischen Volksgeistes, sind voller Anmut und Poesie. Nur eine kurze Erzählung mag hier angeführt werden, welche die eigenartige Stellung charakterisiert, in welcher der Zadik zu Gott steht. Einstmals war in Polen ein Gesetz erlassen worden, nach welchem jedes jüdische Ehepaar eine Trauungsgebühr von 400 Gulden an den Staat zahlen sollte. Bei der allgemeinen Armut, die damals in jüdischen Kreisen herrschte, war diese Massregel überaus hart. Da kam einmal ein armer Jude zum Rabbi. Er hatte ein heiratsfähige Tochter. Ein wackerer Jüngling begehrte sie zum Weibe, obgleich sie völlig mittellos war. Nur die neue Ehesteuer von 400 Gulden sollte der Vater entrichten. Dieser aber vermochte diese Summe nicht aufzubringen. Sie war für ihn unerschwinglich. Da trat er, ganz hingenommen von seinen traurigen Gedanken, in das Zimmer des Rabbi mit den Worten: „Rabbi! Ich habe eine Klage gegen Gott vorzubringen!“ Dann erschrack er über seine eigene Kühnheit und Vermessenheit und bat den Rabbi um Verzeihung. Dieser aber sprach freundlich: „Du hast eine Klage, ich muss und will sie anhören. Nur darf ich nicht allein entscheiden. Rufe meine beiden Beisitzer, die Dajonim.“ Als diese erschienen waren, sprach der Rabbi: „Bringe deine Klage vor.“ Der Arme aber sagte: „Gott hat als erstes seiner Gebote uns Juden eingeschärft, uns zu vermählen und eine Familie zu gründen. Nun erschwert aber das neue Gesetz die Erfüllung des Gottesgebotes und macht es dem Armen ganz unmöglich. Wie können wir Gott dienen, wenn er es zulässt, dass solche Gesetze gemacht werden?“ Da sprach der Rabbi: „Eigentlich dürfen die Parteien bei der Beratung der Richter nicht zugegen sein. Da aber Gott, der die ganze Welt erfüllt, doch anwesend ist, magst auch du hier bleiben.“ Dann sprach der Rabbi: „Bringt mir die Gemorroh Gittin.“

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