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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 69

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 69 (sequence 71)
Language
German
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69 und Dürftigkeit lebten, obgleich grosse Summen durch ihre Hände gingen. Von einem chassidischen Rabbi, Rabbi Mendel, findet man in dem Protokollbuch der Chewro Kadischo seines Heimatortes die Eintragung, dass er zu arm war, das einen Rubel betragende Eintrittsgeld in die Chewro zu bezahlen, und dass er als Pfand das Sefer Chassidim, das Buch von den Frommen, gegeben habe. Von einem andern Rabbi wird erzählt, dass er in seiner Todesstunde, in der doch kein Mensch etwas Unwahres spricht, seine Haare berührt und (ähnlich wie Rabbi Jehudo hanossi) gesagt habe: „Nicht einmal um Haaresbreite habe ich Genuss auf dieser Welt gehabt.“ Man hat uns Juden oft angegriffen, weil wir uns das auserwählte Volk nennen. Diese Bezeichnung weist doch aber nur auf die Tatsache der Offenbarung hin, deren Träger Israel in der Geschichte geworden ist, eine Tatsache, die uns mehr Pflichten auferlegt, als den andern Völkern, ohne dass wir daraus mehr Rechte ableiten können. Gibt aber uns Juden nicht ein Anrecht auf den Namen des Gottesvolkes die Tatsache, dass nach mehrtausendjährigem Bestehen der Baum des Judentums noch einen frischen, lebenskräftigen Zweig ansetzen konnte, der eigenartige, schöne Früchte zeitigt? Wohl erscheint uns manches am Chassidismus fremdartig. Aber können wir nicht doch vieles von ihm lernen? Nicht Geistesdressur, noch viel weniger ein öder Materialismus, sondern Bildung des Herzens und des Gemütes sollen im Vordergründe unseres Strebens stehen. Wie wir Gott suchen und uns mit ihm verbunden fühlen sollen, wie wir unerschütterlich auf Gott vertrauen sollen in allen Lagen des Lebens, wie wir bescheiden wandeln

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