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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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64 die vornehmsten Männer der Gemeinde herbei und boten dem Rabbi ihre Gastfreundschaft an. Er aber lehnte sie ab und machte dabei die feine Bemerkung: „Man rühmt die Gastfreundschaft Abrahams. Warum preist man nicht die Gastlichkeit des Lot, der sich doch mit Lebensgefahr der Fremden annahm? Aber bei Lot heisst es: „Es kamen die Engel zu Lot.“ Wer würde sich weigern, Engel aufzunehmen? Bei Abraham steht jedoch in der heiligen Schrift: „Er sah drei Männer“, er sah einfache Menschen daherkommen, und mit welcher Liebe hat er sie doch in sein Haus geladen und mit dem Besten und Schönsten, das er bieten konnte, bewirtet!“ Besinne dich nicht, so lehrt ein chassidischer Rabbi, wenn es gilt, den Menschen Gutes zu tun. Aber sei bedachtsam, sei ängstlich, sei überaus vorsichtig, wenn du durch ein Wort oder gar durch eine Tat einem Menschen wehe tun könntest. „Als Abraham seinen Sohn opfern sollte, musste Gott selbst ihm erscheinen und ihm seinen Willen mitteilen. Um Isaak vom Tode zu erretten, genügte der Anruf eines Engels, welcher das Wort der Erlösung vom Himmel rief.“ Auf welcher moralischen Höhe der Chassidismus steht, geht aus dem Ausspruch eines Rabbi hervor, der gesagt hat: „Lieber sterben als lügen!“ Über die Menschen Gutes und nicht Böses zu reden, alles was man von ihnen hört zum Guten auszulegen, das lehrte ein anderer Rabbi. Als man ihm erzählte, dass es Menschen gebe, welche die Nächte hindurch mit Spiel und Trinken verbringen, sagte er: „Sie üben sich gewiss nur, Schlaf und Müdigkeit zu bemeistern, damit sie später die Nächte statt eitlen Dingen dem Dienst des Allmächtigen widmen können.“

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