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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 62 (sequence 64)
Language
German
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IRI
…/3135693-3135702--1488-3137215
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62 einzulegen. Ein Gegner der Chassidim versteckt sich im Zimmer des Rabbi, um der Sache auf den Grund zu gehen. Da sieht er, wie der Rabbi mitten in der Nacht aufsteht, die Tracht eines russischen Bauern anlegt und sich in den nahen Wald begibt, wo er einen Baum umhaut und zerkleinert, um das Holz einer armen kranken Frau zu bringen. Der Rabbi entzündet selbst Feuer im Ofen, und hat er bis dahin bei der ungewohnten Arbeit seufzend und stöhnend die Selichos-Gebete gesprochen, so singt er jetzt, nachdem ihm das Werk der Menschenliebe gelungen ist, und während behagliche Wärme das Zimmer der Armen durchzieht, fröhlich den „Pismon“. Wenn später die Chassidim von ihrem Rabbi erzählen, er steige in den Selichostagen in den Himmel hinauf, so sagt der bekehrte Gegner: „Vielleicht noch höher.“ .... Ein chassidischer Rabbi, so berichtet eine andere Erzählung, hatte acht Jahre lang bei seinem Lehrer studiert. Zum Abschied gab ihm dieser eine grosse goldene Münze in die Heimat mit. Sie sollte ihm die Wege zu einer Existenz ebnen. Der Jüngling war erst einige Meilen gewandert, da hörte er aus einem Kerker ein Jammern und Wehklagen. Dort war ein armer jüdischer Pächter eingesperrt, weil er die Jahrespacht nicht pünktlich hatte bezahlen können. Sogleich ging der Jüngling zu dem Gutsherrn und bot ihm seinen ganzen Besitz, sein Goldstück, für die Freilassung des Unglücklichen an. Der Adelige fand die Summe viel zu klein und liess ihn von seinen Dienern hinauswerfen. Doch unerschrocken kam er zurück und erbot sich, als Knecht dem Adeligen zu dienen bis die Schuldsumme abverdient sei. Von soviel Edelmut gerührt, liess der Gutsherr den Pächter schliesslich frei. Wozu ein Chossid fähig ist, wenn es gilt, einen Menschen, wenn auch nur für kurze Zeit, glücklich zu machen, ersieht man aus folgender Erzählung.

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