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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 59 (sequence 61)
Language
German
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IRI
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59 bedrohen. Gott ist bei ihm, Gott schaut auf ihn und stützt ihn, und der Chossid fühlt sich zu jeder Zeit mit Gott aufs Innigste verbunden. Ein chassidischer Rabbi war in seiner Jugendzeit der Schüler eines grossen Talmudgelehrten, der ein Feind der chassidischen Richtung war. Nach vielen Jahren traf der Lehrer den Schüler wieder und fragte ihn, warum er ihn verlassen habe. Da antwortete der Schüler: „Als ich noch zu deinen Füssen lernte, sah ich mich einst in einem Traume in einem mächtigen Eispalast. Da waren prunkhafte Säle, gefüllt mit prächtigen Kristallen, die in allen Farben leuchteten. Ich ging von einem zum andern und war voll Staunen und Bewunderung. Aber es fror mich bis ins Mark der Knochen, bis ich endlich hinaustrat ins Freie und sah die Sonne leuchten in ihrem goldenen Glanz. Da wurde es mir warm.“ Die Chassidim meinen — dies ist der Sinn der Erzählung — dass das religiöse Leben ausserhalb des Chassidismus, das rein talmudische Judentum, nur von dem Verstand beherrscht werde und darum kalt sei, während die chassidische Anschauung dem Gemüt die Herrschaft einräume und Wärme und Freudigkeit mit sich bringe. Von einem chassidischen Rabbi wird erzählt, dass er mit seiner Familie in bitterer Armut lebte. In seiner Not seufzte und weinte er einmal über sein hartes Los. In der darauffolgenden Nacht hörte er eine Stimme vom Himmel rufen: „Weil du Gott nicht mit Freudigkeit des Herzens gedient hast, wird dir dein Anteil an der künftigen Welt genommen.“ Da war er nun erst recht betrübt, bis ihn der Gedanke aufrichtete: „Nun will ich um so mehr Gott dienen, denn nun tue ich es ohne Hoffnung auf Lohn.“ Da hörte er wieder die himmlische Stimme: „Dein Anteil an jener Welt wird dir zurückgegeben, aber klage nicht mehr gegen Gott und hadere nicht mehr mit ihm,

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