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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 58 (sequence 60)
Language
German
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IRI
…/3135693-3135702--1484-3137211
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58 Chassidismus: Gott zu dienen. Der Dienst Gottes ist unsere Aufgabe auf Erden. Ein chassidischer Rabbi trat einst mit seinen Schülern auf die Strasse, um den Segensspruch über den Neumond zu sprechen. Es war im Winter und es herrschte eine furchtbare, erstarrende Kälte. Nicht weit von den Betenden hielt ein russischer Soldat regungslos vor einem staatlichen Gebäude Wacht. „Was geschieht,“ fragte ihn der Rabbi, „wenn du erfrierst?“ Da antwortete jener: „So kommt ein anderer an meine Stelle.“ „So,“ sprach der Rabbi, „müssen wir Gott dienen, unbekümmert um die Folgen, nur an ihn und an seine Gebote denkend.“ Eine wesentliche und eigenartige Forderung des Chassidismus lautet: Wir sollen Gott in Freudigkeit dienen. Der Baal Schern führte stets den hundertsten Psalm im Munde: „Dienet Gott mit Freuden.“ Die Askese, die sich auch das Erlaubte versagt, das freiwillige Fasten, das über die gebotenen Fasttage weit hinausgeht, verbietet der Baal Schern geradezu. „Sei nicht zornig über deinen Nächsten. Sprich nichts Böses über deinen Nebenmenschen. Suche dich nicht zu rächen und sei nicht nachtragend, das ist so gut wie ein freiwilliger Fasttag.“ Die Freudigkeit im Dienste Gottes ist geradezu ein charakteristisches Kennzeichen des Chassidismus. Der Baal Schern befindet sich mit dieser Anschauung in merkwürdiger Übereinstimmung mit einem modernen Sprachforscher, der festgestellt hat, dass die jüdische Sprache, so arm sie sonst an Sprachwurzeln ist, nicht weniger als zwölf Ausdrücke für die Freude hat. Wie das Kind an der Hand seines Vaters bei Nacht durch einen finstern Wald geht, ohne sich zu fürchten, auch wenn die Bäume unheimlich rauschen und der Schrei wilder Tiere ertönt, so soll der Chossid sorglos und freudig durch das Leben gehen, obgleich Gefahren ihn ringsum

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