Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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56 widmen konnte, wie er selbst/* Da sinkt die Wage zu Ungunsten des Gelehrten, und die himmlische Stimme verurteilt seine Seele, in einem andern Körper zur Erde zurückzukehren, um die Sünde des Stolzes und des Hochmuts abzubüssen. Dann erscheint der Arbeiter vor der göttlichen Wage. Er war ein frommer Jude, er hat nicht viel gesündigt, aber spärlich sind seine guten Werke und mit der Thora, dem Worte Gottes, hat er sich wenig beschäftigt. Da ertönt die himmlische Stimme: „Aber er ist bescheiden und demütig vor Gott gewandelt und trug in seinem Herzen die Sehnsucht, ganz seinem Gotte dienen zu können.“ Da steigt die Wage zu seinen Gunsten empor, und es werden ihm die Pforten des Paradieses geöffnet. Eine andere Erzählung berichtet von einem chassidischen Rabbi, der einst in eine Stadt kam, wo seine Anhänger ihm eine Wohnung besorgt hatten. Sie stellten ihm frei, bei einem Sünder zu wohnen, der demütig, oder bei einem Frommen, der stolz sei. Da wählte der Rabbi ohne sich lange zu bedenken, den ersteren, indem er sagte: Gott selbst hat gesprochen: „Ich werde inmitten ihrer Unreinheit wohnen.“ Aber von dem Stolzen spricht Gott: „Ich und er können nicht beisammen weilen.“ Im Bethause des Baalschem fungierte David, einer seiner Lieblingsschüler, als Vorbeter an den hohen Feiertagen. Dieser nahm sich einmal vor, mit solcher Inbrunst zu beten, dass Gott den verheissenen Moschiach senden müsse. Vierzig Tage vorher fastete er vom Morgen bis zum Abend. Er lernte im Talmud und forschte in der Kabbala, Tag und Nacht. Das Wenige, das er besass, teilte er mit den Armen. So kam der Jom Kippur heran. An diesem heiligen Tage erschien der Rabbi erst spät im Gotteshause, und die Gemeinde wartete auf ihn. Seine Augen aber waren gerötet, wie wenn er viel geweint hätte. Als das Schacharisgebet beendet war, fragte der Baal