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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 54 (sequence 56)
Language
German
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54 I I: Viel bedeutsamer als diese theoretischen Lehren erscheinen uns die für das praktische Leben wichtigen Anschauungen des Chassidismus. Ebenso wie zur Zeit des entstehenden Christentums im jüdischen Volke eine tiefe Kluft bestand zwischen dem Gelehrten, dem Talmid Chochom einerseits und dem Unwissenden, djgm Am-Hoorez anderseits, und wie gerade aus den Kreisen der unwissenden und sich darob zurückgesetzt fühlenden Volksmassen der christlichen Religion bei ihrem Entstehen die ersten Anhänger zuströmten, so war dieser Gegensatz wohl auch eine wesentliche Ursache für das schnelle Emporblühen des Chassidismus. Im Chassidismus liegt bewusst und unbewusst der Protest breiter Volksmassen gegen die alleinherrschende Aristokratie der talmudischen Gelehrsamkeit. An Stelle der überragenden Herrschaft des Geistes hat der Baal Schern dem Gemüte die ihm gebührende Stellung angewiesen. Galt bis dahin die Gelehrsamkeit als das Höchste, der Gelehrte als der Führer des Volkes, so erklärte der Chassidismus mit Entschiedenheit, nicht auf das „Lernen“, sondern auf die Andacht beim Gebete komme es an. Ein mit Inbrunst gesprochener Psalm sei so viel wert vor Gott wie das Studium eines ganzen Kapitels im Talmud. Auch diese Anschauung ist nicht neu. Sie findet sich bereits im Talmud. Aber der Chassidismus hat sie stark hervorgehoben, hat sie in sein System verflochten, hat sie als lebenswichtiges Prinzip allem andern vorangestellt und damit auf die Massen des Volkes, die nach Befriedigung des Herzens trachteten, eine mächtige Anziehungskraft ausgeübt. Alle Gebote der Thora und die Vorschriften der Weisen gelten den Chassidim ebenso als heilig und unverbrüchlich wie allen andern Juden. Diese Gebote hat Gott uns gegeben, um unser Leben zu weihen und zu heiligen d

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