Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German
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53 Neilo Gebetes in den Himmel emporgestiegen sei. Dort fand er die Gebete Israels. Aber eine geheimnisvolle Wand (d. h. wohl Schuld und Sünde) hielt die Gebete zurück, so dass sie nicht zu Gott gelangen konnten. Endlich vermochte er durch Fürsprache der Engel den Durchgang zu erreichen, um mit den Gebeten Israels vor Gottes Thron zu kommen, und Gott in seiner Gnade verzieh seinem Volke und wandte das böse Verhängnis ab. Welcher Art das drohende Unheil war, erfuhr man bald darauf, als der polnische Bischof Dembowsky auf die Anklage der Frankisten hin den Talmud öffentlich verbrennen liess und nur durch einen frühen und schnellen Tod von der Ausführung weiterer Verfolgungen abgehalten wurde. Die theosophischen Lehren des Chassidismus sind schwer verständlich und muten den, der mit ihren Gedankengängen nicht vertraut ist, fremdartig an. So lautet eine ihrer Lehren: In allem ist das Göttliche. Siehe ein Kind an, worin besteht seine Schönheit? Etwa in seinem Körper? Denke dir, das Kind sei tot, kalt und starr liegt es da. Sein Körper ist der gleiche geblieben und dennoch hat seine Schönheit aufgehört, weil die Seele, weil das Göttliche in ihm fehlt. Oder ein Gefäss, ein Gerät, gefällt dir. Ist es der Stoff, aus dem es angefertigt ist, der dich anzieht, oder nicht vielmehr das Geistige und Göttliche, das dich aus der kunstvollen Form anspricht? Oder eine Speise sättigt dich: die Sättigung kommt nicht von der Speise, sondern von der geistigen Kraft, die der Speise innewohnt. Eine andere Lehre des Chassidismus handelt von den himmlischen Sphären, den Sefiroth, deren es zehn gibt. Zwischen diesen Sphären und den Menschen auf Erden besteht eine stetige Verbindung. Jede gute und jede böse Tat, jede Mizwoh und jede Aweroh, welche die Menschen auf Erden tun, wirken auf die Sefiroth ein und lassen den Quell der Gnade fliessen oder versiegen.