Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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50 öffnen, und er die Engel Gottes von Angesicht zu Angesicht sehen würde. Erschrocken und erschüttert stand der Schüler da, da sprach der Baal Sehern: „Du hattest die Worte richtig gelesen und übersetzt, aber du hast sie nur mit dem Verstände und nicht mit der Seele erklärt und erfasst. Wenn wir in die Geheimnisse der Kabbala eindringen wollen, so muss unsere Seele zu ihrem Rechte kommen. Du musst mit der Seele lesen und verstehen.“ So suchen die Chassidim auch mit der Seele zu beten, mit einer Extase, die sie der Welt und ihrer Niedrigkeit entrückt. Auch die Gleichgültigkeit gegen Geld und Gut, die ein Kennzeichen der Essäer ist, findet man vielfach bei den Chassidim. Von einem chassidischen Zadik wird erzählt, er habe einmal seinen Gläubigen erklärt, sie dürften einen Wunsch aussprechen. Dieser Wunsch, das verspreche er ihnen feierlich, werde in Erfüllung gehen. Da erwählten sie sich nicht Geld und Gut, sondern sprachen die Bitte aus, sie möchten so andachtsvoll beten können, wie ihr Rabbi. Die Heilung der Kranken durch das Gebet ist ebenfalls eine den Essäern und Chassidim gemeinsame Eigentümlichkeit. Zur Zeit der Essäer gab es noch keinen patentierten Ärztestand. Die Chassidim hatten aber auch zu den approbierten Ärzten kein unbedingtes Vertrauen. Ja, ein Führer der Chassidim pflegte zu sagen: Der „Maloch Hamowes“, der Todesengel, konnte die ihm übertragene Aufgabe nicht allein vollbringen, da wurden ihm als Gehilfen die Ärzte beigegeben. Ebenso wie die Essäer haben auch die Chassidim eine theosophische Lehre, die Kabbala, d.h.wörtlich das Überkommene, Überlieferte. Diese Kabbala, die von den Chassidim überaus verehrt wird, ist keine Schöpfung ihrer Führer, sondern eine tiefe theosophische Forschung, die