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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 49

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 49 (sequence 51)
Language
German
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49 Barmherzigkeit.“ Die Zeiten des Gebetes halten sie nicht so strenge ein, wie es das jüdische Gesetz vorschreibt, sondern meinen, es sei richtiger, sich vor dem Gebet in die rechte Stimmung zu versetzen und tiefe Andacht zu gewinnen. Sie beten nicht so ruhig wie wir, dafür ist ihr Gebet nicht so kalt wie das unsrige. Auch halten sie streng darauf, nur mit reinem Körper zu beten. Sie erstreben beim Gebet „Hislahawus“, Begeisterung, Verzückung. Sie vergessen die Welt rings um sich her und suchen durch das Gebet die Annäherung an Gott zu erlangen. Sie beten wirklich: mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Beim Gebet bewegen sie sich stärker und wenden das Wort auf sich an: „Alle Glieder des Körpers sollen an der Andacht Anteil nehmen.“ Das Gebet ist ihnen nicht die Sprache der Lippen, sondern die Sprache des Herzens, die Sprache der Seele, die sich mit Gott verbindet. Die Seele — das ist die Anschauung des Chassidismus — soll im Gebet und in allem religiösen Tun zu ihrem Hechte kommen. Es wird erzählt, dass Rabbi Dow Beer von Meseritsch, der Schüler und Nachfolger des Baal Schern und der eigentliche Organisator des Chassidismus, als er seinen Lehrer zum erstenmale besuchte, sich enttäuscht fühlte und wieder abreisen wollte. Da liess der Baal Schern ihn mitten in der Nacht rufen und fragte ihn, ob er sich schon mit der Kabbala, der Theosophie, beschäftigt habe. Als er dies bejahte, forderte er ihn auf, ihm eine Stelle aus einem kabbalistischen Werke zu erklären. Rabbi Dow Beer tat es. Der Baal Schern aber war mit der Auslegung nicht zufrieden. „Nun denn, wenn Ihr es besser wisst,“ sprach da Rabbi Dow Beer, „so erklärt es anders.41 Da fing der Baal Schern an, das Gelesene zu deuten, und wie er es tat, füllte sich das ganze Haus mit Licht, und es war dem Rabbi Dow Beer, wie wenn sich der Himmel 4

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