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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 47

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
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47 aus ihm sich entwickelnde christliche Urgemeinde weltgeschichtliche Bedeutung. Die Essäer trugen weisse Kleider als Zeichen der priesterlichen Reinheit; sie tauchten täglich in Quellwasser (aus dem hebräischen Wort „towal untertauchen“ ist dann bekanntlich das Wort „taufen“ entstanden); sie lebten ohne eheliche Gemeinschaft. In Speise und Trank waren sie überaus mässig, die Früchte des Feldes bildeten ihre Nahrung und mit dem Wasser der Quellen stillten sie ihren Durst. Geld und Gut waren ihnen gleichgültig; wer in den Orden aufgenommen wurde, gab sein Vermögen in eine gemeinsame Kasse, aus welcher die Bedürfnisse der Mitglieder bestritten wurden. Auf den selbstlosen Essäer bezieht sich augenscheinlich der Satz in den Sprüchen der Väter: „Das Meinige sei dein und das Deinige bleibe dein,“ während der Unwissende das andere modern anmutende, aber schon im grauen Altertum nicht unbekannte kommunistische Schlagwort ausruft: „Das Deinige sei mein und das Meinige sei dein.“ Die Essäer verbrachten täglich ganze Stunden im Gebet. Auch sonst grübelten und forschten sie viel, und ihr Streben ging dahin, „den heiligen Geist“ zu erlangen. Durch ihren heiligen und reinen Lebenswandel waren sie beim Volke sehr verehrt. Sie heilten Kranke durch Gebet und Auflegen der Hände, und man rief sie als Helfer in den Zeiten der Not. So gab es einen Essäer Chonia Hamaagal, der vom Volk in einer Zeit der anhaltenden Dürre und Trockenheit gerufen wurde, damit er um Regen bete. Er betete, aber es kam kein Regen. Da zog er mit seinem Stabe einen Kreis um sich und schwur, er werde den Kreis nicht verlassen, bevor sein Gebet erhört worden sei. Da fing es an zu tröpfeln. Er aber sprach: „Nicht einen solchen Regen habe ich gemeint, der nur geeignet wäre, mich meines Gelübdes zu entbinden, sondern einen Regen,

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