Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
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45 gehen, dem Sultan die Krone entreissen, sie sich aufs Haupt setzen und dann das Zeichen zur Rückkehr Israels in das Land seiner Väter geben werde. Viele Juden verkauften ihre Habseligkeiten, um beim Ruf des Messias gerüstet zu sein. Aber es kam anders. Sabbathai Zewi ging allerdings nach Konstantinopel; aber kaum dort angelangt, wurde er als Staatsverbrecher eingekerkert. Nun hatte der Sultan einen Leibarzt, einen abtrünnigen Juden, und dieser gab ihm den listigen Rat, Sabathai Zewi nicht zu töten und ihn dadurch zum Märtyrer zu stempeln, sondern ihn unschädlich und unmöglich zu machen, indem er ihn veranlasse, zum Islam überzutreten. Sabbathai Zewi, mit einem qualvollen Tode bedroht, zeigte, dass er, der angebliche Messias, nicht einmal ein Mann von Charakter war. Er nahm den Turban und damit das mohammedanische Bekenntnis an. Ein Meteor versank am Himmel des Judentums. Welche Leere, welche seelische Erschütterung liess dieser falsche Messias in den jüdischen Reihen zurück! Konnten wir bis hierher die jüdische Mentalität begreifen, so ist nun etwas geschehen, wofür uns das Verständnis vollkommen abgeht. Sabbathai Zewi fand noch nach seinem Übertritt zum Islam, ja sogar noch nach seinem Tode, Anhänger, die ihm die Treue bewahrten, die er selbst seiner Religion und seinem Volke nicht bewiesen hatte. Sie glaubten, er werde wieder kommen, um die Erlösung Israels zu vollenden. Ja, noch im achtzehnten Jahrhundert, lange nach dem Tode des falschen Messias, wurde ein berühmter Rabbiner, einer unserer grössten Gelehrten und schärfsten Denker, Rabbi Jonathan Eibenschütz von Altona, ein Zeitgenosse des Baal Schern, von seinen Gegnern beschuldigt, ein heimlicher Sabbathianer, das heisst Anhänger des Sabbathai Zewi zu sein, und er hatte viel unter dieser