Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 42)
- Language
- German
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42 deren Zahl sich bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts mehr als verzehnfacht hat. Was wollte nun der Baal Schern? Wollte er eine neue Religion gründen oder wesentliche Lehren des Judentums ändern? Keineswegs! Ein solcher Gedanke lag ihm völlig fern. Er wollte vielmehr das Judentum stärken und die Thora inniger und tiefer den Herzen einprägen. Er wollte Begeisterung für Gott erwecken, wie er selbst sie fühlte, und seinen Anhängern eine naive Verehrung des Allmächtigen und seiner Waltung, wie sie sich ihm selbst in jedem Geschehnis offenbarte, einpflanzen. Von seinen Aussprüchen, die übrigens erst nach seinem Tode niedergeschrieben wurden — er selbst hat nichts aufgezeichnet — charakterisiert einer den ganzen Inhalt seiner Lehre: „In drei Dingen ist alles enthalten. Und diese drei Dinge zu lehren, sei er gekommen: Liebe zu Gott, Liebe zur Thora und Liebe zu Israel.“ Gewiss lag das Geheimnis seines Erfolges in seiner eigenartigen machtvollen Persönlichkeit. Es war aber auch zum Teil in seiner an Sturm und Drang reichen Zeit begründet: denn er war der rechte Mann für seine Zeit. Die Juden haben während des achtzehnten Jahrhunderts, in welchem der Baal Schern wirkte, in Polen, das damals noch ungeteilt und ein grosses Reich war,. Zeiten schwerer Leiden durchgemacht. Noch bluteten die unheilvollen Wunden, welche der Kosakenaufstand unter Chmielnicki dem polnischen Judentum geschlagen hatte. Mehr wie 300 blühende Gemeinden waren damals vernichtet worden, mehr wie 600,000 Juden sind damals ums Leben gekommen. Auch die wirtschaftliche und rechtliche Lage der Juden in Polen hatte sich sehr verschlimmert. Ehedem waren sie von grossen Königen ins Land gerufen worden, genossen den Schutz der Gesetze und hatten viel zur Blüte des Landes beigetragen. Nun