Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
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41 das junge Paar nieder. Zunächst sorgte die Frau durch einen kleinen Handel für die Bedürfnisse des Hauses. Er aber verliess an jedem Sonntag in der Frühe des Morgens die Seinen und ging, ausgerüstet nur mit einem Ranzen, der mit Brot gefüllt war, in die nahen Berge. In dem rauhen, zerklüfteten Gebirge der Karpathen, die an romantischer Schönheit ihresgleichen suchen, konnte er ungestört seinen Gedanken nachgehen. Vor den Unbilden der Witterung schützte ihn nicht Haus und Dach. In den Klüften der Felsen schlief er. Noch heute wird das Quellbad gezeigt, das er sich im Gestein errichtete und in welchem er täglich badete. Hier wurde ihm die Natur zum Tempel, in welchem er Gott suchte. Hier grübelte und forschte er Tag und Nacht und sann über Gott und seine Lehren nach. Hier betete er mit lauter Stimme andächtig und voller Begeisterung zu Gott, und wenn er am Freitag Mittag zurückkehrte, um den Sabbath im Kreise der Seinen zu begehen, so fand seine Frau oftmals noch den ganzen Brotvorrat in seinem Ranzen wieder, den sie ihm mitgegeben hatte und erkannte dann, dass ihr Gatte die ganze Woche fastend zugebracht und über dem Himmel die irdischen Bedürfnisse vergessen hatte. Der Baal Schern war bereits 36 Jahre alt, als er eine Himmelsstimme zu vernehmen glaubte, die ihm, Israel ben Elieser, zurief: ,,Durch Israel will ich verherrlicht werden.“ Wir besitzen den Brief, in dem er seinen gelehrten Schwager Rabbi Gerson, der bald einer seiner eifrigsten Anhänger wurde, einlud, die Reise zu ihm zu unternehmen, denn nun sei für ihn die Zeit gekommen, „sich der Welt zu offenbaren“. In Miedziborz, einem kleinen Flecken in Podolien, liess sich der Baal Schern dauernd nieder, und dank seiner gewaltigen Persönlichkeit sammelten sich in kurzer Frist mehr wie zehntausend Anhänger um ihn,