Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
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40 stehen: „Die Welt ist voller Glanz und Herrlichkeit, erfüllt von den Strahlen Gottes. Nur eine kleine Hand, die der Mensch vor die Augen hält, hindert ihn, all dies zu sehen.“ Als der Baal Sehern herangewachsen war, wurde er zunächst „Behelfer“, d. h. Gehilfe eines Lehrers, dann selbst Lehrer in einem kleinen Dörfchen bei Brody. Schon damals suchten ihn viele Menschen von nah und fern wegen seiner Klugheit auf, und er schlichtete ihre Streitigkeiten. Bei einer solchen Gelegenheit lernte er auch seinen künftigen Schwiegervater, Rabbi Hirsch, kennen. Diesem gefiel der junge Mann ausserordentlich, und er versprach ihm die Hand seiner Tochter. In dem Verlobungsvertrag wurde auf den Wunsch des Jünglings nur sein Namen vermerkt, ohne jeden Zusatz und ohne die allgemein üblichen Titulaturen. Auf der Heimreise starb Rabbi Hirsch, und seine Kinder fanden unter seinen Habseligkeiten den Verlobungsvertrag. Nun hatte Rabbi Hirsch einen Sohn, Rabbi Gerson, welcher Rabbiner von Kuty war und schon damals wegen seines bedeutenden Wissens einen grossen Ruf genoss. Mit dem Stolze des Gelehrten blickte er verächtlich auf die Unwissenden, und die Verbindung seiner Schwester mit einem ungebildeten Manne erschien ihm als eine Schande für die Familie. Als daher der spätere Baal Schern, der sich gern unwissend stellte, wie ein Bauer gekleidet bei ihm erschien und sich durch den Verlobungsvertrag legitimierte, bat er seine Schwester dringend, die Verlobung aufzulösen. Diese aber dachte anders: „Was mein Vater für mich bestimmt hat“, sprach sie, „ist mir heilig.“ So wurde sie denn die Gattin des Baal Schern und seine treue Helferin auf seinem dornenvollen Lebenswege, und wer weiss, ob er ohne ihren verständnisvollen Beistand sein Lebensziel erreicht hätte. In einem Dorfe am Fusse der Karpathen liess sich