Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
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39 Der Schöpfer der chassidischen Bewegung war der Baal Schern, welcher von 1698 bis 1760 gelebt hat. Sein eigentlicher Name war Israel ben Elieser. Er wurde geboren in Okup, einem kleinen Städtchen an der galizischrussischen Grenze. Seinem Vater soll (das nämliche wird übrigens auch von Raschi erzählt) eine himmlische Stimme vor der Geburt des Sohnes zugerufen haben: Gott werde ihm eine Perle schenken, welche die Welt mit ihrem Glanze erleuchten werde. Kurz nach der Geburt des Knaben starb seine Mutter. Auch den Vater verlor er früh. Auf seinem Totenbett soll dieser zu ihm gesagt haben: „Mein Sohn, Gott hat mich nicht gewürdigt dich zu erziehen. Ich bitte dich um eines: Gehe immer den eigenen Weg, unbekümmert um die Menschen und ihre schwankenden Ansichten. Ich bin sicher, du wirst den rechten Weg finden.“ Die jüdische Gemeinde nahm sich des frühverwaisten Knaben an, und er besuchte den Cheder, die jüdische Schule seines Geburtsortes. Aber er lernte nicht allzuviel. Er liebte es vielmehr, in Feld und Wald umherzustreifen und hatte seine Freude an der Natur und ihrer Herrlichkeit. Unter den grossen und bedeutenden Männern in Israel, zu denen der Baal Schern ohne Zweifel gehört, war er vielleicht der Einzige, der nicht vom Studium und von den Büchern zur Verehrung Gottes gekommen ist, sondern der von der tiefen Liebe zur Natur und von der Bewunderung ihrer unbeschreiblichen Schönheit zur Anbetung dessen geführt worden ist, der in wunderbarer Harmonie die Welt erbaut hat. Wenn sein grösster Schüler später von ihm erzählt hat, der Baal Schern habe ihn gelehrt, die Sprache der Vögel und das Rauschen der Bäume zu verstehen, so hat er wohl damit sagen wollen, dass die Natur und ihre geheimnisvollen Kräfte für ihn eine ständige Offenbarung des Weltenschöpfers gewesen sind. So sind auch seine Worte zu ver-