Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
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38 hier dankbar anerkannt sei, manchen Gedanken und manche Anekdote entnommen habe. Auf dieses Buch, dem man die schweren Kriegszeiten, in denen es entstanden ist, nicht anmerkt, seien diejenigen, die sich für die chassidische Bewegung näher interessieren, besonders hingewiesen. Mehr aber noch als all diese lehrhaften Darstellungen haben Dichter von starkem Können mit ihren Erzählungen Glanz über den Chassidismus verbreitet; insbesondere hat J. L. Perez in seinen Dichtungen dem Chassidismus ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Nur wenige Jahrzehnte trennen Buber und Grätz, aber welcher Gegensatz besteht zwischen ihnen! Buber, ein schwärmerischer Verehrer, Grätz ein fanatischer Verächter des Chassidismus. Grätz meint, dass Mendelsohn mit seiner Aufklärung auf der einen Seite, der Chassidismus mit seiner Mystik auf der andern Seite den tausendjährigen Bau des Judentums unterwühlt und untergraben haben. Hier aber hat sich der Geschichtsschreiber nicht als der „rückschauende Prophet“ erwiesen, der er sein sollte. Vielmehr scheint es, dass der Allmächtige, der die Heilung vor der Wunde bereitet, für die von Mendelsohn inaugurierte Zeit der erhöhten Geisteskultur und die mit ihr verbundenen Gefahren eine Art Gegenwirkung im Chassidismus geschaffen hat, welcher der Geisteskultur, die er verschmäht, eine tiefere Herzenskultur entgegenstellt. * * * Die folgenden Darlegungen sollen, ohne auf Vollständigkeit Anspruch zu erheben, die Grundzüge des Chassidismus einem weiteren jüdischen Kreise verständlich machen. Einige einleitende geschichtliche Angaben werden zum Verständnis unerlässlich sein.