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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 35 (sequence 35)
Language
German
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35 mus liegen. Denn der Aberglauben allein kann jedenfalls eine so grosse Macht in unserm Volke nicht ausüben, von dem schon ein heidnischer Seher des Altertums rühmt, dass weder Wahn noch Aberglauben in ihm Wert und Geltung haben. „Der Ewige, sein Gott, ist mit ihm, der Posaunenschall des Königs in ihm.“ In unserer Zeit tritt nun die interessante Erscheinung zutage, dass sich in der öffentlichen Meinung ganz allmählich bei der Bewertung des Chassidismus eine merkwürdige Veränderung vollzogen hat: Früher ein Gegenstand der Anfeindung und des Spottes, gelangt er mehr und mehr zur Anerkennung. Der Sohar, das von den Chassidim so sehr verehrte Buch, von den Vertretern der Aufklärung hingegen nur „das Lügenbuch“ genannt, hat seinen Namen „Lichtstrahlen“ zurückerobert. Der Chassidismus ist in den Augen hervorragender Männer der Gegenwart der Stein geworden, den die Bauleute verworfen haben und der nun dazu berufen ist, ein Eckstein zu werden. Während noch fast bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts der Chassidismus kaum in einem bedeutenden Werke eine Würdigung gefunden hat, ist in den drei letzten Jahrzehnten eine reiche Literatur über den Chassidismus emporgewachsen. In erster Linie ist das Werk des jüdischen Philosophen Ahron Markus „Chassidismus“ (veröffentlicht unter dem Pseudonym „Verus“, Verlag S. Markus, Hamburg) zu nennen, das eine gründliche wissenschaftliche, wenn auch bisweilen schwer verständliche Darlegung der chassidischen Lebensphilosophie enthält, während der gleiche Denker in einer andern Schrift „Hartmann’s inductive Philosophie im Chassidismus“ (Lemberg 1889, Verlag von Michael Wolf) in der jüdischen chassidischen Bewegung moderne Ideenkreise aufdeckt.

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