Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
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Grundzüge des Chassidismus.*) Auch vom Chassidismus gilt das Wort, das einer der grössten deutschen Dichter von seinem Helden sagt: „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte“. Einerseits hat diese Bewegung einen Siegeszug durch die jüdische Welt angetreten und ist ein Faktor im Leben des jüdischen Volkes geworden, mit dem man rechnen muss. Anderseits ist der Chassidismus von seinen Gegnern mit allen Mitteln bekämpft worden; die grössten talmudischen Autoritäten des achtzehnten Jahrhunderts sind gegen seine Bekenner mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht aufgetreten, ohne jedoch die chassidische Strömung auf halten zu können. Die Männer der Aufklärung, der Haskala, im neunzehnten Jahrhundert haben vornehmlich den Chassidismus zum Ziel ihres Witzes und Spottes erwählt. Da lebte das alte talmudische Wort von dem „Chossid-Schaute“, wieder auf, da wurde der Chassidismus als der Herd des Aberglaubens angesehen, von dem man im besten Falle das Wort gebrauchen könnte: „Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode“. Da gab es kein Wort, das scharf genug gewesen wäre, um den jeder Kultur feindlichen, geistigen Tiefstand des Chassidismus zu kennzeichnen. Dabei vergassen die scharfen und unbarmherzigen Kritiker, sich die Frage vorzulegen: woher stammt denn die Anziehungskraft, die der Chassidismus ausübt? Es muss doch auch etwas Schönes, Mächtiges, Bezwingendes im Chassidis- *) Nach einem Vortrag, gehalten im Bernoullianum in Basel am 17. April 1921. —