Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 250)
- Language
- German
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244 „Traurig“, sagte ich, als das Männlein betrübt schwieg, „aber was kann ich dazu tun?“ „Hören Sie nur weiter. Meine Tochter hat vorige Woche wieder ein Söhnchen bekommen; morgen soll die Briss-Miloh sein. Darf ich die Gevatterschaft annehmen oder wird das Kind wieder sterben, wenn ich Gevatter bin? 0, retten Sie meinem Enkel das Leben, Herr Rabbiner!“ „Nehmen Sie die Gevatterschaft nicht, lassen Sie einen andern Gevatter werden. Aber nun lassen Sie mich gehen!“ Sprach’s, schob das Männlein bei Seite und gewann die Türe. Aber das graue Männlein hatte die Schösse meines Fracks erwischt. „Herr Rabbiner,“ schrie es, „nur ein Wort noch! Der Name, sollen wir das Kind Moscheh nennen nach seinem Grossvater, wie wir das verstorbene Kind haben nennen wollen?“ Ich musste stehen bleiben; er hätte mir die Schösse vom Frack gerissen. „Setzen Sie sich,“ rief ich, indem ich meine Frackschösse aus seinen Händen löste, und rasch die Treppe hinuntersprang, „noch einen Namen vor: Benzion, Gawriel, Löb, Wolf, Bär, Hirsch usw.“ Rief’s und sprang in die Droschke. „Nach dem Bahnhof, Kutscher, doppeltes Fahrgeld, wenn ich den Zug noch erreiche!“ Aber noch ist der Kutscher nicht fort, da ist auch schon das graue Männlein da und ruft: „Was bin ich schuldig, Herr Rabbiner, was kost’s?“ „Nichts!“ rufe ich ihm zu, und fort rollt der Wagen und die Funken sprühen, während die Hufe der Pferde das Steinpflaster schlagen. In wenigen Minuten bin ich am Bahnhofe, stürze am Billetschalter vorüber, mit der Absicht, im Wagen nachzuzahlen, da trifft gellend