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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 243

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 243 (sequence 249)
Language
German
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IRI
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243 ich will Sie nicht aufhalten. Meine Tochter ist in N—stein verheiratet, gut verheiratet, sage ich Ihnen. Meine Tochter wollte, ich sollte bei ihr bleiben, allein die Söhne ruhten nicht, ich sollte nach Amerika kommen in meinen alten Tagen. Nun, meine Söhne sind reiche Leute; ich gab ihnen nach und reiste nach Amerika. Die Reise habe ich gut vertragen.“ „Herr!“ brauste ich auf, „wollen Sie mir gleich sagen, was Sie eigentlich von mir wollen?“ „Lieber Herr Rabbiner, Sie müssen alles wissen, und wenn Sie böse werden, so werden Sie das gefahrbedrohte Menschenleben nicht retten können!“ Der Mann sprach so tief bekümmert, so überzeugt und von der Wahrheit seiner Ansicht durchdrungen, dass ich mich ruhig und ergeben wieder niedersetzte. Indem öffnete meine Frau die Türe und rief: „Lieber Mann, du musst gehen, es ist die höchste Zeit!“ „Lass mir eine Droschke holen, dann habe ich noch etwas länger Zeit.“ „Also,“ fuhr mein graues Männlein in seiner Erzählung fort, „ich reiste nach Amerika; ich habe auf dem Schiff die Lewono mekaddesch gelesen — doch ich will Sie nicht aufhalten, ich sehe, Sie haben Eile. In Amerika hat’s mir nicht gefallen; ich erzähle Ihnen ein andermal warum. Ich kehrte also nach Deutschland zurück; damals habe ich Ihre schöne Predigt gehört!“ „Schon wieder die Predigt!“ rief ich ärgerlich. „Geduld, ich bin gleich fertig. Als ich zurückkam, gebar meine Tochter einen Sohn, und mein Schwiegersohn verehrte mir die Gevatterschaft, mit seiner Mutter zusammen, die Witwe ist. Der Briss-Miloh-Tag kam, die Kuchen waren gebacken, Wechoraus war gesungen, der Mauhel war bereit, da bekommt das Kind die Gichter und stirbt.“

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