Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 248)
- Language
- German
- Belongs to
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242 „Ich werde Sie stehen lassen und fortgehen, wenn Sie nicht augenblicklich . . .“ „Sie wollen fortgehen, da Sie ein Menschenleben retten können, und das sagen Sie, Herr Rabbiner?“ „Nun, so sagen Sie mir doch endlich, um was es sich handelt und lassen Sie meine damalige Predigt aus dem Spiel.“ „Ja, die gehört aber dazu; ich wollte Ihnen nur sagen, dass mir Ihre Predigt von damals so grosses Vertrauen eingeflösst hat, dass ich mich deshalb an Sie wende, wiewohl Sie nicht mein Rabbiner sind; doch hören Sie: Ich bin seit 36 Jahren glücklich verheiratet bis mir vor 6 Jahren meine Frau, oleho hascholaum, starb. 0, Herr Rabbiner, das war eine Frau, so brav, so fromm, so gut, eine ischoh chaschuwoh wie’s keine gibt. . Ich hatte unterdessen nach der Uhr gesehen und zu meinem Schrecken wahrgenommen, dass die Zeit weit vorgerückt war. Ich stand deshalb auf, um nach der Türe zu gehen; aber das graue Männlein sprang erschreckt auf und hielt die Türe zu. „Herr Doktor, Sie dürfen nicht fort, bedenken Sie, ein Menschenleben!“ „Aber so kommen Sie doch endlich zum Ziele; was kümmert mich Ihre tote Frau? Der kann ich doch das Leben nicht retten!“ „Nein, nein, das sollen Sie auch nicht, aber einem lebenden Wesen. Aber Sie müssen mich anhören; wenn Sie nicht alles genau wissen „Nun, so fassen Sie sich kurz!“ „Also meine gute, brave Frau, die starb vor 6 Jahren. Meine Söhne sind in Amerika; der eine wohnt in New- York, der andere in Louisville, der dritte in Mobile — der hat was erleben müssen während des Krieges! doch,