Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 237)
- Language
- German
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231 Und er rief mit schmetternder Stimme: „Rechtsanwalt Sigismund Hank!“ „Der Teufel soll sich mit den israelitischen Kollegen auskennen!“ sagte Wenzel verdriesslich. „Jede Nase lang heissen sie anders!“ „Hank! — Kollege Hank!“ rief er dann mit neubelebter Hoffnung. Jetzt musste Sigismund Hank wohl oder übel doch dem Rufe Folge leisten; er raffte seine Akten zusammen und kam scheinbar eilfertig aus dem Schachzimmer heraus. „Na — da ist er ja!“ rief der Anwaltsbote. „Herr Justizrat Wenzel bringt sich um nach Ihnen!“ „Bin ich gerufen?“ sagte Hank unschuldig. „Herr Justizrat Wenzel? — Hier — Hank ist mein Name! Dass Sie nur endlich da sind! Ich warte schon mindestens eine Stunde auf Sie!“ „Na — erlauben Sie mal!“ sagte Wenzel entrüstet. „Ich brülle schon seit drei Stunden wie ein Verrückter nach Ihnen!“ „Bedaure!“ sagte Hank. „Ich hätte das doch hören müssen, wenn mein Name gerufen wäre. — Eben erst hörte ich ihn zum erstenmal!“ „Na — wenn es für Sie den Reiz der Neuheit hatte, Ihren Namen zu hören — ich bin richtig heiser geworden. — Na, nun kommen Sie mal mit, damit wir wenigstens vor Ostern unsere Paradiesäpfel unter Dach und Fach bringen.“ Sie eilten die Treppe zum zweiten Stockwerk empor und betraten das Sitzungszimmer des wegen seiner Redseligkeit und Bosheit gefürchteten Bandmann, der zwischen den Landgerichtsräten Schlüter und Bernstorff thronte. Da die Verhandlung in Sachen Romanow gegen Prinz von Wales viel Zeit in Anspruch genommen hatte, hatten sich eine grössere Zahl von Anwälten im Zimmer