Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 231)
- Language
- German
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225 „Gedenke der Tage der Urzeit, erwäget die Jahre vergangener Geschlechter.“ Deut. 32, 7. zu beachten. Die Schwierigkeiten, die in den wenig beachteten biblischen Büchern Esra und Nehemia (wir verweisen besonders auf Esra IX, 2 Nehemia IV, 10—12 und XIII 15—16 und 23—24) ausführlich beschrieben werden, bestanden hauptsächlich aus den viel verbreiteten Mischehen, schlechtem Beispiel der angesehenen Leute, Sabbath- Entweihung und Feindschaft der umwohnenden Nicht- Juden. Beim Nachlesen in den genannten Quellen glaubt man sich fast in die heutige Zeit versetzt. Um so erfreulicher ist es, in den gleichen Büchern zu lesen, wie es der Energie und dem Mute Esra und Nehemias gelungen ist, diese schweren Misstände vollkommen zu beseitigen. Keine Konzessionen wurden gemacht. Da wo Charakter und Umfang des Übelstandes es als nötig erschienen liessen und der Bestand der Judenheit als Nation und Religion dies erforderte, ging man sogar noch weiter, als das Gesetz es vorschrieb. Hierdurch gelang es, aus schwerstem religiösen und nationalen Tiefstand zu dem vorbildlichen religiös-nationalen Staatswesen zu kommen, welches wir gegen Ende der „Kenesseth Haggedolah“ vorfinden. So betrübend denn manches heute auch sein mag, abseits stehen und den Mut verlieren sollte keiner, sondern „Heilig ist der Tag vor dem Ewigen Eurem Gotte, trauert nicht und weinet nicht“ (Nehemia VIII, 9). Basel. M. Sohlberg. 15