Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 230)
- Language
- German
- Belongs to
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224 westeuropäischen Grossmacht das Land und verspricht die Immigration in Bälde freizugeben. Diese Entwicklung ist dermassen plötzlich gekommen, dass sie viele unter uns aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Die einen, von einer übermässigen Neu-Orientierungslust befangen, verlieren den Anschluss an unsere Vergangenheit, andere, ganz überstürzt von dem ungewohnten, von ihnen nicht vorausgesehenen Gang der Entwicklung drohen den Anschluss an unsere Zukunft zu verlieren. Die Abneigung mancher Kreise findet zu einem grossen Teile ihre Ursache darin, dass der „Anfang der Rettung“ von einer Seite gekommen ist, welcher man vielfach seit 20 Jahren die Berechtigung, im Namen des jüdischen Volkes aufzutreten, abgesprochen hat, und die jüngsten Geschehnisse, wie z. B. die offene Feindschaft eines Teiles der nicht-jüdischen Bevölkerung Palästinas, sowie die religionsfeindliche Gesinnung und Betätigung einer Gruppe palästinensischer Jung-Juden scheine ihnen in ihrer Skepsis Recht zu geben. Da mag es an der Zeit sein, die Leser dieses Jahrbuches daran zu erinnern, gegen welche äussere und innere Widerstände eine frühere Wieder-Einrichtung unserer verödeten Heimstätte durchgeführt und erkämpft werden musste. Wir denken hierbei an die Schwierigkeiten, deren Esra und Nehemia Herr werden mussten, als sie vor etwa 2400 Jahren dem zweiten jüdischen Staate zu einer gesunden Entwicklung verhalten. Das eigentümliche dabei ist, dass die damaligen unerfreulichen Vorkommnisse eine merkwürdige Ähnlichkeit mit den heutigen haben, und es verlohnt sich daher in diesem Falle besonders die biblische Pflicht: „denn frage doch nach den vergangenen Tagen, die vor dir gewesen.“ Deut. 4, 32.