Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 218)
- Language
- German
- Belongs to
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212 „Kugel“ gepriesen, obwohl ihr einziges Verdienst nur darin bestand, dass ihre brave Nachbarin in der Eile die Kugeltöpfe verwechselt hatte. Auch an „Überraschungen“ fehlte es nicht. Anstatt Bohnen kamen oft Graupen, und eine Ochsenbrust rutschte mitunter auf einen Kalbsfuss herab. Wer den Schaden hatte brauchte für den Spott nicht zu sorgen. Denn am folgenden Freitag erkundigte sich schon der glückliche Gewinner bei seinem Nachbar, wie ihm denn die vertauschte „Kugel“ geschmeckt habe. Die vielgepriesene jüdische Kochkunst hat vielleicht nicht zum geringsten Teile ihre gute Ausbildung und ständige Verbesserung der unfreiwilligen „Kontrolle“ und dem „Eingriff“ der „öffentlichen“ Meinung zu verdanken, die fast jeden Sabbath zur Tagesordnung gehörte. Wenn wir sonst mit Achselzucken von der „guten alten Zeit“ sprechen, des Sabbath jener Tage erinnern wir uns gerne. Dichter und Schriftsteller mühen sich ab, um neue Effekte zu erfinden, womit sie das Herz des Menschen erreichen, sein Inneres erfassen wollen. Wie gewaltig muss es aber einen Menschen packen, wenn er inmitten der Tagesarbeit plötzlich, dem inner n Drange gehorchend, jegliche manuelle Arbeit einstellt und von einer Minute auf die andere sich als ein ganz anderer, höherer Mensch fühlt! Nachdem die Frau die Sabbathlichter entzündet, der Gatte, von der Synagoge kommend, sein im heiligen Glanze strahlendes Heim betritt, da erheben sich beide zu Patriarchen, und segnend legen sie die Hände auf ihre Kinder, die Sterne ihres Himmels, die sie wie Ephrajim und Menasche, Rahel und Lea in echt jüdischer Gesinnung und treuem Stammesbewustsein erziehen wollen. Da fühlt der Jehudi schon die „Neschomo jessero“, da ist seine Seele mehr als der sie umfassende Körper, und „Scholem Alechem Malache Eljon“: „Friede mit Euch, ihr mich