Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 216)
- Language
- German
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210 so hätte die Welt ihnen auch viel zu verdanken und ihre Existenzberechtigung wäre damit allein genug begründet.) Da galt es vor allem: Geschäfte, Betriebe, Werkstätten und Fabriken zu schliessen, die Speisen für den Sabbath herzurichten, den Tisch mit den zwei Sabbathbroden und blankgeputzten Leuchtern zu decken, die Werktagskleider abzulegen und sich in das Feiertagsgewand zu stecken. Während dessen „setzte“ die holde Weiblichkeit daheim den „Schabt“ oder, wenn kein „Setzofen“ im Hause war, brachte man den Schabt zum jüdischen Bäcker in aller Eile, bevor der Sabbath hereinbrach. Denn eine Erholungsinsel, ein Kurplatz darf nicht von Schornsteinen rauchen, darf nicht durch geschäftiges Treiben und lärmende Betriebe in der still atmenden Harmonie gestört werden. Da sind auch alle Bewohner Kurgäste und Herrschaften, da darf man Werktägliches nicht bei sich „tragen“. Selbst das Gebetbuch, der Pentateuch oder der Talmudfobant, mit dem man am Sabbath zum „Verhören“ zu gehen pflegte, war nur dann zu „tragen“ erlaubt, wenn ein „Eruw“ das ganze Städtchen in eine grosse Gemeinschaftshalle zusammengeschlossen hatte, und jedes denkfähige jüdische Famibenglied, wie in seinem erweiterten Hause, alles, was zum Leben unbedingt gehörte, bei sich tragen durfte. Wer hätte es auch nur gewagt, oder auch nur schüchtern daran gedacht, am heiligen Ruhetage zu kochen? Deshalb erfand die kochkundige jüdische Frau, lange noch bevor die Welt von Kochkisten und elektrischen Selbstkochapparaten etwas wusste, ihren Kochapparat, den sogenannten „Schabbosofen“, oder „Schabtofen“. Dieser Ofen erhielt schon Freitagnachmittag seine „Energie“; und während seine Erfinder von den Strapazen der Woche ausruhten, an die grosse Vergangenheit dachten und von einer ebensolchen Zukunft hoffnungsvoll träumten, da kochte der Schabbosofen daheim oder beim Bäcker ganz selbst-