Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus vergangenen Tagen. Es ist noch gar nicht so lange her, Grossmütterchen wird sich noch gut und gerne jener „unmodernen“ Zeit erinnern, da die Menschen noch nicht so „gross“ sich dünkten, noch im „Parterre“ wohnten. Da legten die Menschen noch nicht ihre ganze Seele in die „Fassade“, man polierte nicht nur sein Äusseres, um den Andern zu imponieren. Man las nicht jeden Morgen beim Kaffee ein „neues“ Blatt. Die alte Tefilah mit den vergilbten Blättern hielt wie ein Anker das menschliche Gebäude fest. Man wusste noch nichts von Luftschiffen und Höhenrekorden und dachte dafür höher. Man stürzte noch nicht von oben herab, und empfand dennoch tiefer. Das jüdische Volk lebte noch sein eigenes Leben. Forschen selbst im Wandern, Lernen selbst im Leiden, Denken selbst im Dulden war seine Devise. Alle äussern Stürme prallten an seinem festen Innern beständig ab. Und wenn es müde geworden war, da ruhte es auf einer, oder richtiger gesagt, seiner Insel aus. Diese Friedens¬ und Erholungsinsel war von Jedem erreichbar, und alle physisch und seelisch Erholung Suchenden erreichten sie zur selben Stunde. Die Insel ist vielen noch unter dem Namen „Sabbath“ in guter Erinnerung. Schon am Freitagnachmittag durchlief der Schammes (Gemeindediener) die Strassen des Städtchens, um die Gemeinde auf das baldige Betreten dieser Insel vorzubereiten. Aber nur die Juden verstanden seine Sprache. (Später sagte ein Engländer: Wenn die Juden der Welt nichts weiter als nur den Sabbathgedanken gegeben hätten, 14