Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur jüdischen Künstlerbewegung in der Schweiz. Es wäre ein nutzloses Unternehmen, den Begriff einer jüdischen Kunst a priori bestimmen zu wollen. Erst wollen wir diese jüdische Kunst sehen und nicht ins Leere ihren Begriff diskutieren. Bevor wir fragen, was ist jüdische Kunst? müssen wir erst wissen: ist überhaupt jüdische Kunst? Sobald wir aber eine reale Anschauung von jüdischer Kunst erhalten, werden wir wenig Gewicht darauf legen, ihren allgemeinen Begriff zu diskutieren. In Wirklichkeit aber versteckt sich hinter der viel diskutierten, und heute doch noch gar nicht diskutabeln Frage, was jüdische Kunst sei, eine ganz andere. Man denkt dabei nämlich an die Frage, was jüdische Kunst sein soll. Nicht um Definition des Unbekannten, um Postulate dreht es sich. Vor allem wird immer wieder behauptet, dass nur Werke mit jüdischem Sujet jüdische Kunst seien. Aber es gibt in der Kunst der verschiedensten Völker Werke mit jüdischem Sujet, und diese sind dadurch noch lange nicht Werke jüdischer Kunst, sondern bleiben solche der betreffenden Nation. Das Sujet gehört nicht zum Begriff der nationalen Kunst, und damit fällt eines der beliebtesten und populärsten Postulate dahin. So werden auch die meisten anderen dahinfallen müssen. Denn es ist eben schon von vorneherein verkehrt zu fragen, was jüdische Kunst sein soll, weil — soweit man vom Sollen sprechen kann — die jüdische Kunst genau dasselbe sollen muss wie alle Kunst, dasselbe letzte Ziel verfolgen wie alle Kunst. Ihr Unterscheidendes kann nicht das Ziel, sondern nur