Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 190

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 190 (sequence 194)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3135693-3135704--1323-3137049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

190 Bote, mittels dessen er seine Ideen ausführen, seine Zwecke erreichen will und kann. Diese ״zwei Zeichen“ sind in diesem Sinne geradezu der Prototyp des מלאכה- Begriffes. Das ist richtig und typisch schon in dem primitiven Sinn, in dem die Mischnah die ״zwei Zeichen“ als Schreiben auf fasst und das Verbot desselben am Schabbos ableitet und begründet. Über die Ableitung und Begründung der Werkverbote am Sabbat einige kurze Andeutungen. Es liegt eine unendlich tiefe, ergreifende Lehre in der Art, wie die Überlieferung die 39 Hauptkategorien der verbotenen מלאכות aus der תורה שבכתב ableitet. Ist ja ausser הבערה, dem Feuermachen, keine Arbeit in letzterer deutlich genannt. Die mündliche Lehre entnimmt nun aus der Zusammen- Stellung von שבת und משק in כי תשא und ויקהל, dass alle Arbeiten, die beim Bau des משכן, des ״Stiftzeltes“ vorkamen als אבות מלאכות, als Werkkategorien (mit allen dazu gehörenden תולדות, abgeleiteten Arbeitsarten) am Schabbos verboten sind. Es gibt kein Werk des Menschen, das an und für sich sittlich so hoch steht, schon in sich die Anerkennung Gottes trägt, wie der Bau des Heiligtums. Dieser Bau aber war am Schabbos verboten und jede Tätigkeit für und an diesem Bau war und blieb der Typus der Sabbat-Werkverbote für alle Zeiten! Das Verbot, am Schabbos am משק zu arbeiten lehrt, dass auch die höchststehendste positive menschliche Tätigkeit trotz der direkten dahingehenden Zielsetzung nicht in dem Masse eine Anerkennung Gottes ist, wie die Unterlassung jedes Werkes am Schabbos. Erst diese Unterlassung gibt selbst diesem Schaffen des Menschen den Charakter des Gottesdienstes. Die Ableitung des Begriffes der menschlichen מלאכה aus der Tätigkeit beim Bau des Heiligtums adelt diese, zeigt deren hohe Wert- Schätzung, die durch das Werkverbot am Schabbos nicht vermindert wird, vielmehr die rechte Weihe erhält.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.