Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 188)
- Language
- German
- Belongs to
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184 im Schatten der Häuser ... So schwimmt er aus einem Schatten in den anderen, und der Litwak hört, wie das laute Pochen seines eigenen Herzens sich mit den schweren Tritten des Rebben vermengt. Er bleibt aber trotzdem nicht zurück und gelangt zusammen mit dem Rebben vor die Stadt. Vor der Stadt gibt es ein Wäldchen. Der Rebbe — leben soll er! — geht ins Wäldchen. Nach dreissig, vierzig Schritten bleibt er vor einem jungen Baume stehen. Der Litwak sieht mit Bestürzung, wie der Rebbe die Axt aus dem Gürtel zieht und auf den Baumstamm einschlägt. Er sieht, wie der Rebbe immer wieder ausholt; er hört, wie der Baum ächzt und knackt. Der Baum fällt, und der Rebbe spaltet den Baum in Klötze, dann die Klötze in Späne. Dann macht er aus den Spänen eine Tracht Holz, umbindet sie mit dem Strick, den er in der Tasche hatte, lädt sie sich auf den Rücken, steckt die Axt wieder in den Gürtel und geht zur Stadt zurück. In der hintersten Gasse bleibt er vor einem kleinen, halb eingefallenen Häuschen stehen und klopft ans Fenster. „Wer klopft?“ fragt eine erschrockene Stimme aus dem Häuschen. Der Litwak erkennt, dass es die Stimme einer Jüdin, einer kranken Jüdin ist. „Ich bin es!“ antwortet der Rebbe auf kleinrussisch. „Wer bist du?“ fragt wieder die Frauenstimme. „Wassil!“ antwortet der Rebbe. „Was für ein Wassil? Und was willst du, Wassil?“ „Ich habe Holz zu verkaufen!“ sagt der angebliche Wassil. „Sehr billig, so gut wie umsonst!“ Und ohne die Antwort abzuwarten, tritt der Rebbe ins Haus. Der Litwak schleicht ihm nach und sieht im fahlen Morgenlichte eine ärmliche Stube, zerbrochenes Haus-