Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 189)
- Language
- German
- Belongs to
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185 gerät... Im Bette liegt eine kranke Jüdin, in Lumpen gehüllt, und sie spricht mit erbitterter Stimme: „Kaufen? Womit soll ich’s kaufen? Wo soll ich arme Witwe Geld hernehmen?“ „Ich will es dir borgen!“ antwortet der falsche Wassil. „Es sind im ganzen sechs Groschen!“ „Wie soll ich sie dir bezahlen?“ stöhnt die arme Jüdin. „Törichte Frau!“ spricht der Rebbe vorwurfsvoll. „Sieh: du bist arm und krank, und ich traue dir das bischen Holz: ich vertraue dir, dass du es'mir bezahlen wirst. Und du hast einen so grossen, so starken Gott und vertraust ihm nicht. . . Du traust ihm nicht einmal die dummen sechs Groschen für eine Tracht Holz!“ „Und wer wird einheizen?“ stöhnt die Witwe. „Habe ich denn die Kraft aufzustehen? Mein Sohn ist schon fort auf die Arbeit.“ „Ich will auch einheizen,“ sagt der Rebbe. Und während er das Holz in den Ofen legte, sprach der Rebbe stöhnend den ersten Abschnitt der Selichos... Und als er Feuer gemacht, und das Holz lustig zu flackern begann, sprach er, schon etwas lustiger, den zweiten Abschnitt... Und den dritten Abschnitt sprach er, als das Holz richtig brannte und er das Ofenblech schloss . . . Der Litwak, der das alles gesehen, wurde von nun an Nemirower Chossid. Und so oft später jemand erzählte, dass der Nemirower Rebbe alljährlich zur Selichoszeit jeden Morgen die Erde verlasse und in den Himmel fliege, lachte der Litwak nicht mehr, sondern fügte still hinzu: „Wenn nicht noch höher!“ J. L. Perez.