Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 187)
- Language
- German
- Belongs to
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183 das Wasser in die Waschbecken fliesst, und wie die Türen auf- und zugemacht werden . . . Dann verlassen alle das Haus; es wird wieder still; im Zimmer ist es finster; nur ein schwacher Mondstrahl dringt durch einen Spalt im Laden . . . Später gestand der Litwak, dass, als er allein mit dem Rebben geblieben war, ihn ein Grauen befallen hatte. Es überlief ihn heiss und kalt vor Angst, und die Wurzeln seiner Schläfenlocken stachen ihn wie Nadeln. Es ist doch wirklich keine Kleinigkeit: mit dem Rebben allein, beim Morgengrauen in der Selichoszeit!... Ein Litwak ist aber starrköpfig: er zittert wie ein Fisch im Wasser und — liegt! Endlich steht der Rebbe auf . . . Zunächst wascht er sich und verrichtet alles, was ein Jude am Morgen verrichten muss. Dann geht er zum Schrank und holt ein Bündel hervor; im Bündel sind Bauernkleider: ein Paar Leinenhosen, Schaftstiefel, ein Bauernrock, eine grosse Pelzmütze und ein breiter, mit Messingnägeln verzierter Ledergurt. Und der Rebbe zieht alle die Kleider an. Aus der Rocktasche hängt das Ende eines dicken Bauernstrickes heraus. Der Rebbe geht aus dem Zimmer, der Litwak geht ihm nach. Der Rebbe geht in die Küche, bückt sich, holt unter dem Bett eine Axt hervor, steckt sie hinter den Gurt und verlässt das Haus. Der Litwak zittert, bleibt aber nicht zurück. Ein stilles Grauen, das Grauen der Selichoszeit, lagert über den dunklen Gassen. Hie und da dringt ein Aufschrei eines Betenden aus einem der Betzirkel oder das Stöhnen eines Kranken aus einem Fenster . . . Der Rebbe schleicht an den Mauern entlang, immer