Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 181)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135704--1310-3137036- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 ein Beweis eines sog. wirtschaftlichen Verständnisses, und eine Unzahl kleiner Beamten, deren Bildung gering, deren Ideen beschränkt und deren Anstellung nur der Protektion irgend eines Weiberrockes zu verdanken ist, hat eine ungeahnte Machtfülle in den Händen, die umso grösser ist, weil fast keine Rekurse gegen deren Taten und Entscheidungen vorhanden sind, schon wegen der Kleinheit dieser Taten, wegen der Minimalität derselben. Man kann mit Lärm und Geschrei den einzelnen Fall erledigen, aber der Beamte bleibt weiter auf seinem Posten, er lässt dann die folgenden Juden entgelten, was der eine ihm an Unannehmlichkeiten verursacht hat. Nicht nur von einzelnen Konsularbeamten ist hier die Rede, nicht nur von der Transmigration allein, sondern auch von der Unmasse von Beamten der Sanität, die die Quarantäne und derartige Sachen überwachen; ebenso von den Grenzbehörden, die über die Reisenden und deren Gepäck zu entscheiden haben; auch von Eisenbahn- und Schiffs-Bediensteten, die mit den Reisenden zu tun haben; von den zahlreichen Beamten nicht zu sprechen, die mit der Rationierung von Lebensmitteln und dergleichen in den verschiedenen Ländern zu tun hatten und noch zu tun haben. Und dasselbe Verfahren, in einem vergrösserten Masstabe, entwickelt sich bei den Details der Emigration, da eine Unzahl von Formalitäten derzeit nötig ist, um reisen zu können und sein Heim aufzulösen. Was hier von den niederen Organen gegenüber den Juden geleistet wird, kann icht einmal annähernd gesagt werden, diese Sabotage der heimischen Beamtenschaft verursacht den Juden nicht nur zahllose Leiden, sodern auch ungeheure, immense Kosten. Denn die Überwindung einer jeden Schwierigkeit kostet Geld und Geld und nochmals Geld, zuweilen mehr als die Reisespesen eines Emigranten bis zum Ziele seiner Reise. Ob es bei der Immigration 12