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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 173

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 173 (sequence 177)
Language
German
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178 und eigentümlicherweise hat er dennoch recht. Denn diese Ausnahme von der Regel ist nur dadurch richtig, weil es sich um das national abnormale jüdische Volk handelt. Denn die Immigration soll bei Juden nicht nur eine Wirkung des Nationalismus, sondern auch eine Ursache des Nationalismus sein; das Land soll den Nationalismus stärken oder bei vielen gar erst schaffen; soll daher dieser Erfolg gesichert sein, so muss jene Bedingung erfüllt werden. Dies gilt in jeder Beziehung für das eine Immigrationsland der Juden: für Palästina. Dieses Land besitzt für Juden die Eigenschaft, dass es ihren Nationalismus stärkt, zuweilen sogar schafft. Dies kommt schon darin zum Ausdruck, dass die schärfste Art des jüdischen Nationalismus die Bezeichnung „Zionismus“ führt: es ist Zion, die Hauptstadt jenes Landes, das diesen Nationalismus bestimmt. Wenn die Juden in jene Gegenden gehen, so ist es wahrscheinlich nicht der materielle Erfolg, der sie dort anlockt, und es ist symptomatisch, dass Davis Tritsch1) eine seiner grösseren Arbeiten „Jüdische Emigration und Kolonisation“ benennt und nicht „Immigration“, oder zumindest „Reemigration“, weil für Immigrationen einzig und allein materielle Vorteile massgebend zu sein pflegen, er aber erst durch 473 Seiten sich abmühen muss, um dieses dem Leser zu beweisen, und dies erst nur für eine beschränkte Zahl von Einwanderern. Nicht der materielle Vorteil treibt die Juden nach Palästina, sondern ein geistiger höherer Drang. Mag man diesen Drang als nationales Empfinden, mag man es als einen religiösen Wunsch betrachten: Palästina wird von den Juden verlangt als ein Kolonisationsland, wo in erster Reihe ideale und nicht materielle Momente massgebend sind; diese ungewöhnliche Erscheinung er- *) Orient-Verlag, Berlin 1918.

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