Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
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171 dagegen nur Wirkung, und noch mehr ist die Transmigration nur eine Wirkung der vorigen. Wenn nun in den obigen Zeilen die Emigration in ihren Ursachen dargelegt wurde, so sollte logischerweise auch die erste Ursache der Immigration dadurch gegeben sein. Dieses ist aber nicht der Fall. Die Reihenfolge ist auch umgekehrt denkbar, dass nämlich eine Immigration gewünscht wird und dadurch eine Migration entsteht, eine Emigration und eine Transmigration. Dies geschieht z. B. bei Territorien, die noch nicht bewohnt, oder noch nicht genügend bewohnt sind und die daher zur Einwanderung sozusagen einladen. In den Urzeiten gab es tatsächlich noch ganz unbevölkerte Gegenden und man konnte sich dahin selbst einladen. Jetzt gibt es solches Land nicht mehr; überall gibt es zumindest eine spärliche Bevölkerung und diese nimmt sich das Recht, über die Einwanderung Fremder zu entscheiden. Sie vermag solches auch, weil sie immer die grössere Macht gegenüber den einzelnen oder gruppenweise ankommenden Emigranten besitzt. Bei der Immigration ist daher immer die Frage aufzuwerfen, ob die Wanderer der heimischen Bevölkerung genehm sind, welche Frage der bei der Emigration vorherrschenden Frage entspricht, ob man der bisherigen Bevölkerung unangenehm ist. Dieses kommt bei der Transmigration auch eigentlich vor, ob man den Durchgangsstatten genehm ist; aber die letztere Frage kommt noch wenig zur Geltung, wenn dieses auch schon in Betracht gezogen werden muss. Eine nationale Immigration ist selten erwünscht, weil kein Volk sich einen noch so guten Fremdkörper frisch ins Heim bringen lassen will. Solches war im Mittelalter durch den Wunsch der absoluten Herrscher noch zuweilen möglich gewesen, weil dieser als Fremder seine Volksgenossen bei sich haben wollte. In der Gegenwart,