Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 172)
- Language
- German
- Belongs to
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168 schwächeren Mitglieder, und die letzteren sind dann gezwungen, auszuwandern. Nicht nur wirtschaftliche Momente sind hier allein massgebend; auch religiöse Momente leisten oft dasselbe, indem die Religion ein Band zwischen den Gläubigen der betreffenden Religion schafft, welches Band den wirtschaftlich stärkeren Gläubigen sie zum Ausharren veranlasst und die anderen, die Andersgläubigen, bedrückt. Schon allzu oft, allein durch die Tatsache der Existenz des Übergewichtes bei einer fremden Religionsgruppe; aber zuweilen auch dadurch, dass jene Anhänger einer bestimmten Religion ihre wirtschaftliche Kraft benützen, um auf die Andersgläubigen einen Druck auszuüben, der zuweilen so gross wird, dass er diese zum Verlassen des bisherigen Heims zwingt. Auch diese Momente kommen bei der jüdischen Wanderung in Betracht, weil die Juden immer die wirtschaftlich schwächeren auf jedem Territorium sind, und zwar weil sie an Zahl immer in einer grossen Minorität gegenüber anderer Bevölkerung eines Territoriums sind (das Verhältnis bei einzelnen Städten ist hier nicht massgebend, weil keine Stadtwirtschaft von sich selbst heraus lebensfähig ist, und erst durch das entsprechende Hinterland die Lebenskraft bekommt; die Stadt muss daher immer zusammen mit ihrer grösseren oder kleineren Umgebung wirtschaftlich ins Auge gefasst werden) und sie daher der Anderen in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit bedürfen, welche dann immer gegen sie wirtschaftlich leicht vorzugehen imstande sind, aus angeblichen wirtschaftlichen Gründen der Majorität. Und sehr oft gehen diese auch aus religiösen Gründen gegen die Juden vor, und zwar wirtschaftlich; dieses war im Mittelalter nur allzu oft der Fall, aber auch in der Neuzeit war es anfangs ganz schlimm in dieser Beziehung. Dann freilich brachte die französische Revolution eine Erleichterung, die ca. 100 Jahre anhielt, um dann mit Kischi-