Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 159)
- Language
- German
- Belongs to
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155 sein desselben, da die Tätigkeit des Grosshirns die Reflexerregbarkeit herabsetzt. Auf die Frage, wie lange beispielsweise der Corneal-, der Liehtreflex und andere Reflexe noch nach dem Schächtschnitt ausführbar sind, wollen wir deshalb nicht näher eingehen, weil sie ja für die Beantwortung der Frage, ob das Tier zur Zeit der Auslösens des Reflexes noch Schmerz empfindet, ohne Belang ist. Von grösserer Bedeutung für die Behandlung der Schächtfrage ist die Tatsache, dass durch den Schächtschnitt das Rückenmark, resp. das verlängerte Mark unverletzt bleibt. In dem verlängerten Mark befindet sich nämlich das Atem- und Vasokonstruktionszentrum (Blutgefässverengerungszentrum), deren Intaktheit für die richtige und vollständige Blutentleerung von ausschlaggebender Bedeutung ist. Es besteht nämlich kein Zweifel, dass bei keiner anderen Schlachtungsart die Blutentleerung so gross ist, als wie beim Schächten, was sicherlich von grosser hygienischer Bedeutung ist, weil ja Fleisch umso eher in Zersetzung übergeht, je reicher es an Flüssigkeit ist. Physiologische Experimente von Dembow, die ich selbst nachprüfte, haben diesen hygienischen Vorteil vollauf bestätigt. Von schächtgegnerischer Seite hört man gelegentlich von chemischen Veränderungen des Fleisches geschachteter Tiere reden, die ja Aufregungen, Angst und Schmerzen überstanden haben sollen. Zwar sind diese chemischen Veränderungen noch von keiner Seite nachgewiesen worden, das Argument aber klingt schon von vorneherein äusserst unwahrscheinlich, und zudem müssten diese chemischen Veränderungen selbst nach Ansicht der Schächtgegner auch bei anderen Schlachtarten in mehr oder weniger grossem Masse vorhanden sein, da ja die sogenannten Aufregungen, die das Tier vor seinem Tode zu bestehen hat, sicherlich auch dem nicht ge-