Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 155)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Physiologie des Schächtens. „Es wäre mir sehr erwünscht,“ schreibt Professor Roux in Halle in seinem Gutachten über das Schächten, „wenn ich sicher wäre, einen so leichten Tod zu haben, wie er den Tieren beim rituellen Schlachten zu Teil wird.“ Dieser Ausspruch ist interessant, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz noch ein Schächtverbot besteht, welches allerdings während eines Teiles der Kriegszeit aufgehoben worden war und klingt umso merkwürdiger, als ja alle Anfechtungen gegen das Schächten mit dem Tierschutz begründet werden. Es soll deshalb hier unsere Aufgabe sein, an Hand von zahlreichen Gutachten für und gegen das Schächten und zahlreichen persönlichen Untersuchungen in Kürze darzustellen, ob das Schächten tatsächlich als Tierquälerei anzusehen ist. Wir wollen uns nicht damit zufrieden stellen, dass die Thora wohl nicht Tierquälerei von den Menschen verlangen könne, als ein Gesetz, welches milde Behandlung der Tiere uns zur Pflicht macht. Auch wollen wir nicht davon sprechen, dass dieselben Leute, welche Schächten für eine Tierquälerei halten, dieses Gefühl nicht äussern, wenn es sich um Hetzjagden handelt, um Stopfen der Gänse, um Castration und dergleichen. Auch wollen wir nicht gegen den rein antisemitischen Standpunkt uns wenden, der alle Fragen nur unter dem Gesichtswinkel ihrer Verwertbarkeit gegen die Juden verwendet, und zwar deshalb nicht, weil eine sachliche Auseinandersetzung mit den Antisemiten ergebnislos wäre. Wir wollen den Stand-