Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
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146 heit. Elia will und kann keine Konzessionen machen. Mit glühendem Feuereifer und rücksichtsloser Unerschrockenheit nimmt er den Kampf gegen das Königshaus Ahab und die Baalpropheten auf. Kein Zweifel nagt" an seinem Herzen. Elia ist seines Sieges gewiss. Die vom König Ahab ausgesandte Priester- und Prophetenschar erleidet am Karmelberg eine schmachvolle Niederlage und alles Volk ruft in Bewunderung und Anerkennung der Grösse und Allmacht Gottes: „Der Ewige ist Gott, der Ewige ist Gott!“ (Melochim I, 18, 39.) Elia hat aber seine Mission noch nicht zu Ende geführt. Im Feuerwagen steigt er in den Himmel. Elia lebt ewig. Er lebt und wirkt zu allen Zeiten und Geschlechtern für sein Volk. Erscheint uns Elia in seinen Haupthandlungen in der heiligen Schrift als Prophet der unerbittlichen Strenge und eifervollen Rücksichtslosigkeit in all seinem Tun und Lassen, so zeigt er sich uns im späteren jüdischen Schrifttum, im Talmud und Midrasch, in einer anz anderen Gestalt. Keine donnernden, von Eifer und Zorn getragenen Worte, kein Kampf und Streit mehr. Hier erscheint Elia als der alte, gute, liebevolle Volksprophet. Er ist Führer und Vater des jüdischen Volkes, sein Freund und Berater. Elia tritt als Sinnbild der Milde und Güte auf. All sein Tun und Wirken ist von einer heiligen Ruhe und von idyllischem Zauber umwoben. In der Volksphantasie bildet sich eine zaubervolle Idealgestalt des Propheten Elia heraus. Lang und weiss ist sein Gewand, blau und mild seine Augen, silberweiss sein Bart. Der alte, traute Volksfreund Elia winkt uns lächelnd und beruhigend zu. Er begleitet sein bedrücktes, schwergeprüftes, wanderndes Volk auf allen seinen leid- und dornenvollen Galutwegen, tröstet es in der Verzweiflung und ermutigt es zur Tat und Arbeit. Elia hört die täglichen Wehklagen Gottes ob der Zerstörung des Bet-Hamikdasch und der Zer-